Blinde und sehbeeinträchtigte Citizen Scientists testeten am 13. Mai 2026 an der HTL Donaustadt die aktuellen Prototypen der Assistenzsysteme „BlindIn“ und „Boards without Barriers“. Das wissenschaftliche Team der Universität Wien erhob im Zuge der Testsession systematisch Feedback von der Zielgruppe – zur Evaluierung und zukünftigen Weiterentwicklung der Systeme. Das Projekt „Sinnvoll Aktiv“ und alle damit zusammenhängenden Veranstaltungen werden vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung gefördert.

„BlindIn“ wurde von einer Schülergruppe der HTL Donaustadt entwickelt. Die Applikation wird via Sprachsteuerung bedient und ermöglicht einerseits die Computer Vision-gestützte Erkennung und Korrektur der Durchführung von Mobilitätsübungen. Andererseits können hier maßgeschneiderte Übungen von außen eingespielt werden – beispielsweise vom behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten.

Angehörige der Zielgruppe von der Hilfsgemeinschaft sowie vom Verein Blickkontakt probierten „BlindIn“ aus und halfen dem Entwicklerteam mit ihrem Feedback weiter. Die Testpersonen befanden sich in einer Altersspanne von 31 und 78 Jahren und gaben an entweder große Schwierigkeiten beim Sehen zu haben oder vollkommen blind zu sein und sich mindestens 3-4 in der Woche für die persönliche Mobilitätserhaltung bewusst Zeit zu nehmen. Im Zuge der Evaluierung äußerten mehrere Teilnehmende den Wunsch nach einer motivierenderen Gestaltung des Systems. Insbesondere wurden Lob, motivierende Rückmeldungen sowie musikalische Unterstützung während der Übungen vorgeschlagen. Die Verständlichkeit der Sprachausgabe wurde teilweise als schwierig beschrieben, insbesondere aufgrund der Lautstärke sowie der als „robotisch“ empfundenen Stimme. Als Verbesserungsvorschläge wurden eine optimierte Lautstärkeregelung sowie die Nutzung von Kopfhörern genannt. Auch bei der Spracheingabe gab es aufgrund des starken Halls in der neuen Testumgebung bisher unbekannte Schwierigkeiten. Mehrere Teilnehmende schlugen vor, das Assistenzsystem künftig stärker mobil auszurichten und beispielsweise als App umzusetzen. In diesem Zusammenhang wurde die Nutzung eines Smartphones mit Stativ vorgeschlagen.

Eine Schülergruppe der HTL Rennweg steckt hinter dem Projekt „Boards without Barriers“, einem inklusiven Schachbrett, das Menschen mit eingeschränkter Sicht – oder aber auch Spastiken – Züge durch ein besonderes, vom Brett getrenntes Eingabemodul ermöglicht. Die Figuren ziehen dann „von selbst“. Das soll beispielsweise das versehentliche Umstoßen von Figuren verhindern und das anfängliche Aufstellen erleichern.

Schachspieler des Österreichischen Blindenschachbundes sowie eine Vertreterin des Vereins Blickkontakt testeten „Boards without Barriers“ auf Herz und Nieren und gaben dem Entwicklerteam anschließend wertvolles Feedback. Die Teilnehmenden waren zwischen 51 und 66 Jahre alt und alle entweder hochgradig sehbehindert oder vollständig blind. Das Assistenzsystem wurde insgesamt als gut bedienbar und verständlich wahrgenommen. Besonders positiv hervorgehoben wurden die gut tastbaren Bedienelemente sowie die gute Lesbarkeit und Erkennbarkeit der Tastatur. Zudem wurde angemerkt, dass das Bedienfeld insbesondere für Personen mit zusätzlichen motorischen Einschränkungen, wie einer Handbehinderung, unterstützend wirkt. Auch die kontrastreiche Gestaltung einzelner Elemente wurde positiv bewertet. Ein zentraler Kritikpunkt betraf die eingeschränkte Nutzbarkeit des aktuellen Prototyps für vollblinde Personen. Mehrere Teilnehmende wiesen darauf hin, dass sowohl das Spielfeld als auch die Figuren stärker taktil erfassbar gestaltet werden müssten. Insbesondere die Figuren sollten besser unterscheidbar, größer und eindeutig ertastbar sein.

Hinsichtlich der Zahlen und Buchstaben auf dem Eingabemodul, gingen die Meinungen auseinander. Manche Testpersonen empfanden den Farbkontrast als ideal, einige wünschten sich andere Farben (zB blau/weiß oder schwarz/gelb). Die erhabenen Zeichen wurden grundsätzlich als gut tastbar bezeichnet, eine schräge Versetzung oder unterschiedliche Höhen von Buchstaben und Ziffern würden die Erkennbarkeit aber zusätzlich verbessern.

Mehrere Rückmeldungen betrafen mögliche technische Erweiterungen des Systems. Genannt wurden unter anderem eine Sprachein- und -ausgabe über Kopfhörer oder Bluetooth sowie eine Lautstärkenregelung. Zusätzlich wurde der Wunsch nach einer integrierten Schachuhr sowie einer insgesamt mobileren und transportierbaren Gestaltung des Systems geäußert. Die Teilnehmenden betonten die Bedeutung einer stabilen Positionierung der Figuren auf dem Spielfeld. Es wurde vorgeschlagen, die Figuren magnetisch zu befestigen, damit ihre Position auch beim Ertasten zuverlässig erhalten bleibt. Dadurch könnte die Orientierung auf dem Spielfeld verbessert und unbeabsichtigtes Verschieben der Figuren reduziert werden.

Alle Vorschläge wurden vom dankbaren Developerteam aufgenommen und werden bei der Entwicklung der nächsten Iteration von „Boards without Barriers“ bereits Berücksichtigung finden.

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