Am 26. Juni 2026 fand am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Wien das abschließende Event von Sinnvoll Aktiv statt. Unter den Teilnehmenden befanden sich Developerteams, Lehrer:innen und Schüler:innen der involvierten HTLs, Vertreter:innen der Zielgruppe, Active Aging-Expertin Dr. Christiane Wilke sowie das Projekt-Koordinierungsteam der Universität Wien. Themenschwerpunkt des Vormittags war die offizielle Präsentation der seit Frühjahr 2025 an den HTLs Donaustadt, Leonding und Rennweg entwickelten Assistenzsysteme, die alle im weitesten Sinne blinde und sehbeeinträchtigte Menschen bei der Teilhabe an Mobilitätserhaltung und Sozialleben im Alter unterstützen sollen.

Soziale Teilhabe zum Anfassen bot die aktuelle Version von „Boards without Barriers“, einem inklusiven Schachbrett, das Menschen mit eingeschränkter Sicht – oder aber auch Spastiken – Züge durch ein besonderes, vom Brett getrenntes Eingabemodul ermöglicht. Das Team erklärte wie dadurch beispielsweise das versehentliche Umstoßen von Figuren verhindert oder das anfängliche Aufstellen erleichert wird. Ein Blick in die Zukunft verriet, dass bereits an der nächsten Iteration gearbeitet wird, die das System um weitere Spiele erweitern soll.

Von einer weiteren Schülergruppe der HTL Rennweg wurde der „CareChair“ vorgestellt – ein leichtgewichtiger und mobiler Polstersitz, der bewegungseingeschränkten Menschen die Teilhabe am Familienleben erleichtern soll. Präsentiert wurden Features wie die bis zur Liegeposition verstellbare Bein – und Rückenlehne, die Heizfunktion, sowie ertastbare Bedienelemente, die auch mit Sehbeeinträchtigung intuitiv erkannt werden können.

Die oberösterreichische HTL Leonding informierte über den aktuellen Stand beim KI-unterstützten, digitalen Personaltrainer „Sportsfreund“, der bereits im Rahmen der Langen Nacht der Forschung 2026 von der breiten Öffentlichkeit getestet werden konnte. Neuigkeiten gab es auch vom Sinnvoll Aktiv-Vorgängerprojekt Smart Sport Assistance berichten: im Sinne der nachhaltigen Weiterentwicklung hat eine neue Generation von Schüler:innen das UNIKATE 25 Award-gekrönte Assistenzsystem „Goalfinder“ aufgegriffen und ihre eigenen Visionen für nächste Entwicklungsschritte am inklusiven Basketball-System vorgestellt.

Von der HTL Donaustadt wurden drei spannende Innovationen präsentiert, die sich in kontinuierlicher Weiterentwickelung befinden: „Safe&Sound“ verspricht spielerisches Gleichgewichtstraining. Dabei helfen mit Bewegungssensoren instrumentierte Gegenstände – sogenannte Holdables – und eine mit Drucksensoren bestückte Matte. Eine weitere Gruppe stellte „HearFit“ vor -eine Smartphone-App, die nach Beantwortung einiger anfänglicher Fragen maßgeschneiderte und auditiv detailliert erklärte Mobilitätsübungen ansagt. Mit Blick in die Zukunft verriet das Entwicklungsteam, dass die momentan vorhandene Übungsdatenbank im kommenden Schulsemester um eine Vielzahl weiterer Optionen erweitert werden wird. Mit dem „SoundPilot“ wurde System demonstriert, das mitttels 3D-Sound bei der Orientierung im Raum unterstützt.

Spannende Einblicke in den Stand der Forschung zum Thema Mobilitätserhaltung im Alter gab Expertin Dr. Christiane Wilke von der Deutschen Sporthochschule Köln. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum, beantwortete Dr. Wilke Fragen der anwesenden Vertreter:innen der Zielgruppe und der beteiligten Schulen. Insbesondere der typische zeitliche Verlauf beim Verlust verschiedener Fähigkeiten im Alter und, vor allem, was man dagegen tun kann, waren von besonderem Interesse.

Aufgrund von maturabedingter Abwesenheit konnten einige Assistenzsysteme nicht in Person präsentiert, sondern nur in Stellvertretung erwähnt werden. Das betraf die Gruppe „Matteo“, die mittels Sprachein- und -ausgabe und sensorbasierter Erkennung der Gewichtsverteilung Balancetraining ermöglicht. „BlindIn“ ist eine Applikation, die einerseits die Computer Vision-gestützte Erkennung der korrekten Übungsdurchführung bietet. Andererseits können hier maßgeschneiderte Übungen von außen eingespielt werden – beispielsweise vom behandelnden Arzt. Und schließlich hatte die Gruppe „ButtonBuddy“ einen Touchscreen-Aufsatz für Fitnessgeräte zum Ziel, der die oft komplizierte (und für blinde Menschen unmögliche) Navigation am Bildschirm durch eine einfache Spracheingabe ersetzt. Das so gewählte Programm wird dabei durch einen motorisierten, analogen Finger am Gerät eingegeben.

Nach einem Austausch beim gemeinsamen Mittagessen konnte die Zielgruppe endlich selbst Hand anlegen. Gemeinsam wurden die Assistenzsysteme ausgiebig getestet. Danach erhob das wissenschaftliche Team der Universität Wien systematisch Feedback von den Testpersonen zur Evaluierung und zukünftigen Weiterentwicklung der Systeme. Abschließend vergab eine Jury der Zielgruppe drei ehrenhafte Nennungen für Ihrer Meinung nach besonders gelungene Projekte. Darüber freuen durften sich die Entwicklungsteams „Boards without Barriers“, „Sportsfreund“ und „CareChair“.

Diese Veranstaltung wurde vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung gefördert.

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